Wenn das Herz entscheidet – mein Auslandsaufenthalt in Lateinamerika

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Nur noch wenige Wochen und ich bin weg. Nachdem ich nun 12 lange Jahre Schulzeit hinter mich gebracht habe, möchte ich nun den nächsten Schritt wagen: Die Welt entdecken, Erfahrungen sammeln, Menschen kennenlernen. Ich habe mich zu diesem halben Jahr entschlossen um meinen Schweinehund, der ziemlich stur sein kann, zu überwinden. Ich möchte wissen wo die Reise für mich hingehen wird und die Zeit nutzen um über meine Zukunft nachzudenken. Was will ich? Was will ich wirklich? Was soll ich und was kann ich? Kurze aber dennoch intensive Fragen, wenn man ständig an seinen Fähigkeiten zweifelt und unzufrieden mit sich und seinen derzeitigen Leistungen ist. Oft möchte ich meinen Ansprüchen gerecht werden und vergesse dabei, dass ich vollkommen blind schon erreicht habe was meinem Anspruch von gestern gerecht geworden wäre. Das halbe Jahr möchte ich einfach nutzen um den Kopf klar zu bekommen und meinen derzeitigen [fotografischen] Stand zu akzeptieren und Wert zu schätzen.

Das Schwierigste und zugleich Wichtigste ist, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind
Das Schwierigste und zugleich Wichtigste ist, die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind.

Um den Interessierten unter euch ein genaueres Bild von meinem Auslandsaufenthalt zu verschaffen möchte ich auf mein Farmstay in Chile genauer eingehen. Wie hätte es anders sein sollen musste es natürlich eine Arbeit mit Pferden sein. Vor zwei oder auch drei Jahren hatte ich zum ersten mal das Gefühl eingeengt zu sein. Meine vier Wände kamen immer näher und die Schule verlangte auch einiges mehr ab als bisher. Ich bekam in meinem Umfeld mit, dass viele direkt nach der Schule ein ganzes Jahr im Ausland unterwegs waren. Sofort war ich Feuer und Flamme und wollte auch die Welt entdecken. Ein Auslandsjahr nach der Schule schien für mich, wie das Normalste auf der Welt. Die Schule wurde zu diesem Zeitpunkt aber unerträglich anstrengend und die Flammen der Reiselust waren schneller erloschen als sie entfacht worden sind. Ende der 12. oder vielleicht auch 11. Klasse besuchten uns drei junge Studenten im Unterricht. Sie erzählten von Ecuador, Spanisch lernen in einem Jahr und unvergesslichen Erlebnissen. Genau mein Ding! Zwei Tage später setzte ich mich mit der Organisation Weltwärts in Verbindung und wollte mich für ein Farmstay-Programm in Paraguay bewerben. Spanien war mir viel zu nah, um ausreichend zu lernen auf eigenen Füßen zu stehen, also sollte es ein Land mitten in Lateinamerika werden – Paraguay war ideal. Mir wurde sehr bald mitgeteilt, es seien keine freien Stellen für ein Farmstay in diesem Land frei und stattdessen ein Angebot für eine Farm in der Nähe von Santiago de Chile gemacht. An dieses Land hatte ich noch gar nicht gedacht. Ein Grund mehr diesem Angebot zuzusagen. Ich habe entschlossen mich ’nur‘ für ein halbes Jahr auf die Suche nach mir selbst zu begeben. Die Gründe dazu sind so verschieden wie die Siebenmilliarden Menschen unseres Planeten. Schon früh hatte ich mir überlegt, wie lang so ein Jahr sein kann; die Angst vor unerträglichem Heimweh und die Vorstellung abbrechen zu müssen ließen mich entscheiden ein ganzes Jahr nicht in Frage kommen zu lassen. Unvorstellbar war der Gedanke für mich, ein ganzes Jahr geplant und vorbereitet zu haben – für  n i c h t s. Außerdem hatte ich schon weiter gedacht und möchte meine Ausbildung noch im Jahr 2017 beginnen. Ich weiß nicht ob die Entscheidung eher Kopf- statt Herzenssache war, aber richtig finde ich sie dennoch. Nun, da alle Anmeldungen und Papiere abgeschlossen sind, kann ich mich auf ein arbeitsreiches halbes Jahr und auf viele Kontakte mit Menschen und Pferden freuen

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Ich habe keine Vorstellung was mich im Detail erwartet oder wie viele andere junge Menschen aus der ganzen Welt auf dieser Farm arbeiten werden, ich weiß nicht ob ich mir selbst gerecht werde und ob sich meine Vorstellungen bewahrheiten werden. Auch habe ich nicht die leiseste Ahnung, ob ich mit all den Antworten, die ich zu erhalten erwarte, aus diesem halben Jahr gehen kann und dankend all die vielen Zweifel abschütteln werde. Aber ist es nicht genau das, was ich wollte? Eine Reise ins Unbekannte.

Wild at heart – das wilde Herz Deutschlands

 

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Die Sachen waren gepackt, die Adressen im Navi vermerkt und wir – wir waren bereit. Bereit für die wilden Seelen Deutschlands.

Nach endlosen knapp 500km und 5 Stunden Autobahnregen kamen wir in Dülmen an. Es war bereits später Nachmittag und der Himmel zog langsam zu. In diesem Moment bereute ich es, nicht schon früher losgefahren zu sein. Nun, auf das Wochenende zurückblickend, hätte es nicht optimaler sein können.

Mit der Ankunft in Dülmen ging alles ganz schnell: Die Koordinaten wurden in das Navi getippt und ehe wir unseren Orientierungssinn auffordern konnten, sich die Umgebung ein wenig zu merken, befanden wir uns im ca. 400 ha großen Reservat der Wildpferde, mitten im Merfelder Bruch. Wie an jedem Wochenende in dieser Zeit befanden sich die Wildpferde auf der ‚Besucherwiese‘. Mit dem Anblick der riesigen Herde vergrößerte sich meine Aufregung über das schon so lange herbeigewünschte Treffen mit diesen wunderbaren Geschöpfen. Noch nie zuvor hatte ich eine so große Herde gesehen, geschweige denn fotografieren dürfen. Die vom Wind kontrollierten Mähnen und an das Przewalskipferd erinnernden Fellfarben ließen mein Fotografenherz höher schlagen. Unbeirrt von der Tatsache, etwas überfordert mit einer so enormen Anzahl an Pferden zu sein, versuchte ich mich in diese Wesen zu fühlen. Was macht sie aus? Was ist das Besondere, das absolut Einzigartige an ihnen? Und viel wichtiger noch – wie halte ich das auf meinen Bildern fest? Vor den eigentlichen Fotos, also dem Fotografieren an sich, sollte man sich bewusst werden, was man fotografiert und einen Zugang zu seinem Motiv finden. Nur wenn ich mich im Hier & Jetzt befinde, kann ich auf meinen Fotos ausdrücken, was ich sehe, wie ich es sehe und wie andere meine Arbeiten wahrnehmen sollen.

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Ich teile also nicht nur den Moment mit euch, sondern gebe immer Teile von mir selbst preis – Teile meiner Sichtweisen und Empfindungen und letztendlich meiner persönlichen Erfahrungen.

Nach einer Weile fingen die Pferde an unruhig zu werden und mit dem Eintreffen der ersten Regentropfen kam Bewegung in die bis dahin träge wirkende Herde. Das Wiehern der Fohlen nach den Stuten wurde lauter und im Handumdrehen trotzten die unempfindlichen Hinterteile dem mittlerweile zu einem Hagelsturm gewordenen Regenschauer. Schnell suchten die Pferde Schutz unter den Bäumen des Waldrandes. Durch den starken Regen hatten sich Wasseransammlungen und Bäche gebildet, die nicht jedem aus der Herde geheuer waren. Die plötzlich entstandenen Hindernisse wurden nach einem kurzen Check durch die Nüster mit dem größtmöglichen Sicherheitsabstand nach oben (!) überwunden.

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Ein ganz anderes Bild zeigte sich mir am darauffolgenden Tag. An die schwarzen Gewitterwolken wurde kein Gedanke vergeudet und die Herde schien lebhafter als am Vortag. Der Tag war noch jung und die vielen Fohlen lagen verschlafen auf der Wiese. Mit der neuen Lebendigkeit nahmen auch die Rangeleien innerhalb der Herde zu. Die Ohren waren angelegt, es wurde gebissen und hin und wieder war ein dumpfer Schlag zu vernehmen, der darauf hindeutete, dass die Hinterhand nicht nur zum Galoppieren von Vorteil ist.

Spaßfaktor Wasser: ja, auch Pferde haben Spaß am kühlen Nass
Spaßfaktor Wasser: ja, auch Pferde haben Spaß am kühlen Nass

Während dem Schreiben dieses Blogeintrags ist mir klar geworden, dass es an uns liegt diese, schon seit über 700 Jahren in Deutschland lebenden, Wildpferde zu schützen. Wir sollten diese Herde als wertvolles Gut sehen – als das wilde Herz Deutschlands.

 

Begegnungen – Lia & Mina

Eigentlich war es gar nicht der Tag, der für das Shoot bestimmt war. Aber wie so oft im Leben sind die spontanen Dinge, die richtigsten. Der Zufall entschied zu unserem Glück, dass das Shoot genau um eine Woche vorverlegt wurde – auf den Tag des Pferderennens in Leipzig.

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Zu dem Zeitpunkt, als ich von der Umplanung erfuhr, befand ich mich zweieinhalb Stunden von der Location entfernt. Und die Zeit drängte, denn in weniger als vier Stunden sollte die FotoSession beginnen. Zu Hause angekommen suchte ich schnellstmöglich die Zugverbindung zur geplanten Location. Durch die spontane Vorverlegung fiel dummerweise auch die geplante ‚Kamerafrau‘ weg, die das Schoot per Video verewigen sollte. Unter Zeitdruck versuchten Lia und ich vergeblich einen Freiwilligen zu finden, der neben viel Spaß am Filmen auch etwas Talent mitbrachte.

Kurz bevor wir uns entschieden das Video doch nicht zu drehen siegte der Optimismus: Wozu hat man eine Zwillingsschwester, wenn nicht zum spontanen Filmen eines ebenso spontanen Shoots??

Meine Schwester und ich machten uns also auf den Weg nach Sachsen-Anhalt, zu Mina. Nachdem wir Lia im Zug begrüßt hatten und das erste Eis gebrochen war, war nun Zeit die Vorfreude dominieren zu lassen. Wir tauschten uns aus, machten Vorschläge für das Shoot und fast hätte ich vergessen, dass es unsere erste Begegnung war..

Während Lia uns den Weg zum Stall zeigte breitete sich das Gefühl einer langen Freundschaft aus und die knapp eineinhalb Kilometer Fußmarsch vergingen im Flug!

Auf dem Hof angekommen, stellten wir unsere Sachen ab und holten Mina von der Koppel. Das Licht war mittlerweile, durch die späte Nachmittagsstunde, magisch angehaucht und die Momente warteten nur darauf festgehalten zu werden.

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Dennoch war es für alle eine ungewohnte Situation: Obwohl Louise zum ersten mal richtig filmte, stellte sich schnell heraus, dass wir eine neue Leidenschaft in ihr geweckt hatten. Vollkommen vertieft und konzentriert experimentierte sie mit der Kamera und – war in ihrem Element! Aber auch für Mina war alles etwas neu und ungewohnt, wodurch sie nicht still stehen konnte und die Gunst der Stunde nutzte um sich über das hohe Gras her zu machen.

Das hinderte uns aber nicht daran die absolut einzigartige Verbindung zwischen Lia&Mina festzuhalten.

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Nach vielen, vielen Fotos und Momenten wechselten wir schließlich die Location um Minas ganze Kraft und Energie einzufangen – hoofbeat is gonna be in harmony with heartbeat.

Während Mina in jedem Galopp zeigte wie viel in ihr steckt versuchte ich genau das auf meinen Fotos auszudrücken.

Ein beeindruckende Erfahrung!

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Danke an..

..Lia für ihr Interesse an meiner Arbeit! https://www.instagram.com/horsesofthewind/

..Mina für ihre Ausdauer und ihre fotogene Art! https://www.instagram.com/horseofthewind/

..Louise für ihre Bereitschaft und ihr Engagement!                                                             https://www.instagram.com/lui_croisson/

click on the Image above and have a look at the shoot’s video

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